Freitag, 10. Juni 2011

Easy easy in Chiang Mai


Nachdem Julien seit mehreren Wochen erklärt, in Chiang Mai MÜSSE man einfach mal Trekking machen wenn man denn schon mal dort ist, hat er mich tatsächlich dazu überredet, eine „2 Tage 1 Nacht“-Tour zu buchen. Freitagmorgen wurden wir von einem kleinen Transporter abgeholt und mit sechs weiteren Touristen in die Natur gekarrt. Zwischendurch gab es einen kurzen Abstecher bei der Touristenpolizei, um Ausweiskopien abzugeben, falls jmd. von uns im Dschungel verloren geht (in dem Fall kann gleich die „Ausreise“ vermerkt werden). Dann erhielten wir eine Belehrung über Drogenmissbrauch („don't put drugs into you“) und weiter ging es.
Letztendlich kamen wir an einem Elefantencamp an. Eine Stunde lang wurden wir Touris durch die Wallachei geschaukelt, danach ein kurzer Lunch (Reis mit Gemüse und Tofu) und ab in die Trekkingschuhe. 
 Die erste halbe Stunde machte sogar mir Spaß, es ging in leichter Steigung durch den Wald. Unser Reiseleiter nannte das „easy... easy“. Die folgenden drei Stunden ging es bergauf. Gefühlte Steigung von 100 Prozent, von unserem Guide als „bit more difficult, but easy easy“ bezeichnet. War das ein Spaß, an vielen Stellen würde ich es eher als Klettern bezeichnen. Unser Guide lief rauchend und gut gelaunt in Flip Flops voran, ständig die Worte „easy easy“ wiederholend. Überlebt hat er lediglich, da mir klar war, das wir ohne ihn definitiv nie wieder aus der grünen Hölle herausfinden würden. 
Auf dem Gipfel des Berges und meiner Laune sind wir in einem kleinen „Lahu“ Dorf angekommen und haben Quartier in einer Hütte der Dorfbewohner bezogen. In unserem Toilettenhäuschen hatten wir die Auswahl, zwischen dem Bad mit den fiesen kleinen Killerameisen, oder der gelben Riesenspinne. Alle die mich kennen können sich ungefähr vorstellen wie schlimm die Ameisen gewesen sein müssen, wenn ich jetzt sage, dass ich freiwillig im Spinnenbad geduscht habe. Danach haben wir mit den Kindern im Dorf gespielt und Abendessen serviert bekommen (Reis mit Gemüse und Tofu). Geschlafen wurde auf Matten auf dem Boden, jeweils zwei Personen unter einem Moskitonetz. 

 Am nächsten Morgen habe ich mir mit der Spinne die Zähne geputzt und weiter ging es, den Berg wieder runter. Da es Tags zuvor geregnet hatte, war der Boden schlammig und wir sind eher gerutscht als gelaufen. Alles in allem war es jedoch deutlich mehr „easy easy“. Auf halber Strecke kamen wir zu einem Wasserfall, in dem wir baden konnten. Nach weiteren 1,5 Stunden Fußmarsch kamen wir an der Wild-Water Rafting Station an und wurden in Schwimmwesten und Helme gekleidet. Julien stand die Weste auch deshalb so gut, weil sie bei ihm Bauchfrei saß. Nach einer gefühlten 20 sekündigen Einweisung ging es in die Boote und raus auf den reißenden Fluss. Es kann auch am Adrenalin gelegen haben, aber es hat einen Haufen Spaß gemacht. Sogar als wir an einem Felsen hängen geblieben sind und fast gekentert wären. Klitschnass kamen wir am Ende an einem Camp an und bekamen ein neues abwechslungsreiches Lunch (Nudeln mit Gemüse und Tofu), bevor es nach Chiang Mai und zu den Hostels zurück ging.
Am gleichen Abend haben wir das Chiang Mai Nachtlenben erkundet und sind in den angesagtesten Club der Stadt gegangen. Das „Spicy“ hatte allerdings deutlich mehr Dorfdisco-Atmosphere als alles andere und besitzt nur eine CD, die sich alle halbe Stunde wiederholt. Julien wurde angesichts der hohen Anzahl von nicht so wirklich richtig echten Frauen etwas paranoid und hatte Angst Opfer eines Anmach-Versuches zu werden. Aber scheinbar gehören junge halb-Franzosen eher nicht in die Zielgruppe. Spaß hatten wir irgendwie trotzdem gehabt.
Montags sind wir erst auf den Doi Su Thep Berg gefahren und haben uns Chiang Mais schönsten Tempel angesehen. Danach hin es in den Chiang Mai Zoo und wir haben uns in dem weitläufigen Park die Füße platt gelaufen. Für mich einer der schönsten und Tier-gerechtesten Zoos die ich je gesehen habe.
Tags drauf sind wir mit einer Kreuzung aus Roller und Moped und einem kleinen Rucksack aufgebrochen und in die Berge gefahren. Nach vierstündiger Fahrt und einem super Ausblick sind wir in der kleinen Backpacker-Oase Pai angekommen. Dort haben wir uns in einem kleinen Bamboo-Hütten Resort für eine Nacht eingemietet. Die Reisenden in Pai sind durchschnittlich deutlich jünger und man könnte es als Bangkoks Kaoh San Road II in den Bergen bezeichnen.

Nach einer Nacht sind wir mit unseren Rollern wieder zurück gedüst, da wir Abends eine Verabredung zum Muay Thai Kickboxen hatten. Korrigiere: Zum Zusehen! Interessante Veranstaltung, aber Julien und ich sind dann doch nicht die geeignetsten Zuschauer für einen Prügelsport. Das einheimische Publikum geht im Gegensatz zu uns dabei so richtig ab. Und dem Wetten sind sie sowieso nicht abgeneigt. Während des Kampfes spielt eine kleine Band eine Art Dudelsackmusik, die mit der Spannung im schneller wird und einem zu Anfang unglaublich auf die Nerven geht, irgendwann jedoch gar nicht mehr auffällt. 
 
Gestern war dann wieder Reisetag, wie Julien sagen würde, und wir sind mit dem Bus 150 km weiter nach Norden nach Chiang Rai gefahren. Auf dem örtlichen Markt haben wir dann tatsächlich zwei Französinnen getroffen, die wir in Indien (Goa) kennengelernt hatten. Das haben wir dann mit einem Bier und dem schärfsten thailändischen Essen gefeiert, das ich bisher hatte. Aber lecker wars. Heute geht es jetzt weiter an die Grenze nach Laos. Da es dort scheinbar keine Geldautomaten gibt, haben wir uns mit einigen Dollars bewaffnet, falls wir uns nicht mehr melden, wurden wir ausgeraubt und arbeiten als Fischer am Mekong River.
Chiang Mai Fotos auf Picasa 

1 Kommentar:

  1. Hallo ihr beiden,

    da hab ich mal wieder herzlich gelacht beim Lesen :-) Hört sich echt super an!

    Und witzig, dass ihr die zwei Mädels aus Goa wieder getroffen habt, Zufälle gibts... Märkte haben sowas an sich, glaub ich.

    Kleiner Hinweis, ab wann ihr euch wieder meldet, wäre sau stark, sonst wissen wir ja nicht, ab wann wir euch beim Fischen zugucken können *g*

    Viel Spaß in Laos, freue mich auf den nächsten Bericht!

    Simone

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