Nach mehreren Versuchen der ansässigen Schlepperbanden uns in überteuerte Minibusse zu ziehen, haben wir uns mit zwei völlig verloren aussehenden Engländerinnen ein Taxi geteilt. Vietnam ist im Vergleich zu Thailand oder Laos wirklich extrem laut und chaotisch. Die Stadt erinnerte uns sehr an die überfüllten kleinen Straßen in Shanghai. Nachdem ich mehrfach samt Backpack fast überfahren wurde, haben wir tatsächlich unser Hostel gefunden. Der Bauplatz in Vietnam scheint unglaublich teuer zu sein, denn die Häuser sind grundsätzlich immer nur so breit wie ein Zimmer und dann geht’s einige Stockwerke hoch. Wir hatten quasi die Ehre ein Zimmer im 5. Stock zu bewohnen. Da überlegt man sich zweimal, ob man für eine Coke noch einmal den Abstieg in Kauf nimmt.
Am folgenden Tag haben wir uns dann die typischen Touri Spots angeschaut und uns eine vietnamesisches Wasser-Puppen-Theater angesehen. Da wir unbedingt aus der Großstadt raus wollten, haben wir direkt einen Bus für den nächsten Tag nach Ha Long City gebucht. Dort angekommen haben wir uns Bootstickets für die Überfahrt durch die Ha Long Bucht nach Cat Ba Island gekauft. Der Anfang der Reise war auch sehr viel versprechend. Auf einem hölzernen Boot sind wir einige Stunden durch die Ha Long Bucht geschippert und haben uns auf dem Sonnendeck mit einem Bier in der Hand gebräunt.
In unserer Vorstellung war Cat Ba eine ruhige relaxte kleine Insel mit Sandstrand und netten Sea-Food Restaurants. Weit gefehlt und dazu noch das Glück, dass derzeit Semesterferien in Vietnam sind. Wir sind in der Hauptstadt der Insel in der asiatischen Urlaubshölle mit Hotelbunkern direkt am Strand und blinkenden Reklametafeln gelandet. Dazu schallte Asiapop aus Lautsprechern und alle wollten uns irgendwas verkaufen. Julien drückte es sehr passen aus, als er sagte: „Wir haben doch immer noch uns“.
Nach der ersten Nacht in Cat Ba City sind wir verzweifelt mit den Backpacks los marschiert zur nächsten kleinen Bucht und haben uns in eine kleine Holzhütte auf Stelzen eingemietet. Direkt am Strand gelegen war das unsere Rettung. Ruhe hatten wir tatsächlich, wir waren nämlich die einzigen Gäste.
Nach einem ausführlichen Strandtag und einer kurzen Nacht hatten (Aufgrund der vielen Geräusche und der kleinen Sauna, die wir bewohnten, haben wir kaum geschlafen), sind wir am nächsten Tag mit dem Schnellboot nach Haiphong gefahren, was ein wenig südlich unter Ha Long City liegt, um gleich von dort aus weiter in den Süden nach Hue zu fahren. In Haiphong haben wir erstens festgestellt, dass es keine Gleise aus Haiphong nach Süden gibt, de fakto auch keinen Zug und zweitens keine Bustickets mehr. Brilliante Vorbereitung unsererseits quasi. Auf den Schock haben wir uns doch glatt mal ein Kilo Litschies gekauft, damit war die Wahrheit besser zu ertragen: Wir hatten die Wahl in dieser, sagen wir, weniger hübschen Stadt zu bleiben bis es wieder Tickets gibt, oder nach Hanoi zurück zu fahren. Wir haben uns für zweiteres entschieden und auch gleich einen Bus mit AC erwischt. Ich hatte einen sehr motivierten jungen Vietnamesen neben mir, der seine mageren Englischkenntnisse an mir testen wollte und Julien konnte schön lesen. Zurück in Hanoi haben wir uns diesmal im Backpacker Viertel ein richtig schönes Hotelzimmer für wahnsinnige 10 Euro genommen und Bustickets nach Hue in Auftrag gegeben. Nachdem wir ein Straßen-Restaurant entdeckt haben, bei dem man vietnamesisches BBQ auf einem eigenen Tischgrill zubereiten konnte, war Julien fast der glücklichste Mensch Hanois. Als wir danach eine kleine Straßenkneipe entdeckt hatten, in der es frisch gezapftes Bier für umgerechnet 15 Cent pro Glas gab, war Julien endgültig im siebten Himmel. Mit zwei schweizer Jungs haben wir dann noch die Nacht zum Tag gemacht und Freitags dann schön einen Kater gehabt. Was soll ich sagen?! Hanoi ist doch ganz prima.