Donnerstag, 12. Mai 2011

Wo geht’s denn bitte nach Backpackistan ?


Unseren Strandurlaub haben wir in Ermangelung an Alternativen ordentlich verlängert. Insgesamt haben wir 10 Tage in Varkala in unserer Bambus-Hütte verbracht. Tolle Zeit... Wir hatten recht bald zwei sehr lustige Engländer kennengelernt und viel Zeit zusammen verbracht (Zitat Kathi "der Vorteil; neben Briten wirkt man immer braun"). Nachdem ich der indischen Sonnenschirmverleih-Mafia durch Kauf eines Sonnenschirms ein Schnippchen geschlagen habe lagen wir häufig im Schatten unseres eigenen Sonnenschirms am Strand. Die Wellen in Varkala waren sehr hoch, zum Schwimmen also weniger geeignet. Dafür umso besser zum Bodyboarden. Am Strand gibt es Rettungsschwimmer von denen wir jedoch nicht so genau wissen ob sie Schwimmen können. Ihr Hauptaufgabe ist das verscheuchen von indischen Gaffern, die von westlichen Frauen in Bikinis an den Strand gelockt werden.

Was machen Engländer und Deutsche denn nun wenn sie an so einem Ort zusammenkommen ? Bier trinken natürlich... So gut wie jedes Strandrestaurant schenkt in Varkala Bier und Cocktails aus. Die Preise sind für deutsche Verhältnisse fast geschenkt, für indische natürlich horrend. Eine Schanklizenz hat keines der Restaurants. Es gibt daher alle vorstellbaren Variationen das ausgeschenkte Bier zu verbergen. Das fängt beim einpacken der Flaschen in Zeitungspapier an und hört beim Ausschenken von Bier in Kaffeebechern auf. Wir durften auch einer Polizeirazzia beiwohnen. Erst kam die Bedienung durch die Bar gerannt und hat alle Flaschen unter den Tischen versteckt. Dann kam die Polizei mit Taschenlampen und hat geprüft dass auch alles ordnungsgemäß versteckt ist... Da hat wohl jemand sein Bestechungsgeld nicht gezahlt... Das ganze brachte ordentlich Pepp in den bis dahin nur mäßig spannenden Abend.

Nebenbei sind Kathi und ich so braun geworden wie wir wohl nur selten oder nie vorher waren. Kathi hat eine wunderschön schimmernde Farbe bekommen, ich sehe leider eher dreckig aus...

















Schade dass diese schöne Zeit nun schon vorbei ist. Wir haben schlussendlich Zugtickets nach Madurai bekommen. Die Zugfahrt war sehr angenehm, wir fuhren alleine in einem erste Klasse Schlafabteil. Hat auch nur lächerliche 6 Stunden gedauert. Da wir nachts um 11:30 in Madurai ankamen waren unsere Ansprüche an ein Hotel recht niedrig. Daher saßen wir vorerst in einem ziemlich schäbigen Hotelzimmer. Meinen körperlichen Zwängen musste ich inzwischen nachgeben und die indische Toilette benutzen. Nicht ohne eingehende Vorbereitung, versteht sich. Es ist durchaus interessant auf was hier Wert gelegt wird. Wir haben einen Fernseher im Zimmer, aber keine Toilettenspülung. Als Kathi und ich auf dem Balkon standen fühlten wir uns an unsere Reisen in China erinnert. Dort wunderten wir uns schon über den vielen Müll in den Hinterhöfen. Das war allerdings kein Vergleich zu Indien. Hier erwartet einen ein Geruch und eine Aussicht wie sie wohl im mittelalterlichen Europa zu finden war. Bisweilen schaffen es die Leute nicht einmal den Müll ausreichend weit aus dem Fenster zu werfen so dass er auf dem Fensterbrett liegen bleibt...














Mitterweile sind wir in ein besseres Hotel um die Ecke gezogen und haben uns den ersten AC Raum unserer Reise für umgerechnet 25 Euro gegönnt, den Luxus gönnen wir uns jetzt mal für die eine Nacht.
Die indische Realität hat uns also wieder. Heute werden wir den hiesigen Tempel besichtigen. Morgen geht es dann mit einem Nachtzug weiter nach Villapuram, von wo aus wir morgens um 5:10 irgendwie nach Pondicherry fahren möchten. Dort nimmt man es mit heiligen Kühen und Ausschanklizenzen nicht so ernst und wir dürfen uns auf ein Steak und Bier freuen. Nachdem wir von anderen Reisenden sehr viel gutes über Südostasien gehört haben werden wir demnächst von Chennai aus nach Bangkok fliegen.
Vielleicht ist dort ja das ominöse Backpakistan zu finden, wo Zugtickets im Hostel zu kaufen sind und Zimmer saubere Bettwäsche haben.
 Varkala Fotos auf Picasa

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