Mittwoch, 18. Mai 2011

Ballermann der Inder

Da es sich momentan etwas schwierig gestaltet, ein Hostel mit Wlan zu finden - wir legen mittlerweile mehr Wert auf geruchlose und Ameisen-freie Zimme - können wir die Blogs leider nur recht unregelmäßig uploaden. Mittlerweile befinden wir uns in dem kleinen Örtchen Mamallapuram. Dazu aber mehr im nächsten Blogeintrag.
Letzten Freitag ging es mit dem Nachtzug wieder auf die Gleise Richtung Norden. Nach 6 Stunden ohne Schlaf meinerseits (Julien konnte das Schnarchen unseres Bettnachbars besser ausblenden) erreichten wir um 06:00 Villapuram, von dort ging es mit dem Regionalzug weiter nach Pondicherry (indisch: Puducherry), einer ehemaligen französischen Kolonie.
Pondicherry zeichnet sich durch französische Straßennamen, kleine Cafés und ungewohnt saubere Straßen aus. Viele Einwohner sprechen zudem Französisch und die Polizisten tragen tatsächlich noch die französischen Kepis.
Die Stadt liegt direkt am Meer, allerdings gibt es keinen Sandstrand. Dafür eine schöne Uferpromenade, die den Indern als Ballermann dient. Haufenweise kleine Buden verkaufen Eis, indische Snacks und Spielzeug. Ganze Großfamilien spazieren in großen Gruppen die Promenade entlang. Als ich so auf meinem Ufer-Mäuerchen saß und der untergehenden Sonne zusah, kam nicht wirklich Romantik auf. Kleine Kinder zeigen rigoros mit dem Finger auf mich und werden von den Eltern zum Winken animiert, Mädchengruppen gehen kichernd an mir vorüber und trauen sich dann doch mich um ein gemeinsames Foto zu bitten. Pondicherry ist Unionsterritorium und Alkohol im Vergleich zum restlichen Indien aufgrund niedriger Steuersätze richtig billig. Daher kann es schon mal passieren, dass sich die sonst sehr zurückhaltenden jungen Männer einem vor die Füße werfen und am laufenden Band anquatschen.
Direkt an der Uferpromenade entdeckte Julien doch tatsächlich einen Döner, der auch noch richtig gut war. Das war etwas, was ich in Indien nun wirklich nicht erwartet hätte. Da mir ab und an etwas herunter fiel, habe ich mir auch gleich noch einen Platz im dortigen Hunderudel gesichert.
In einer Bar haben wir Abends einen jungen Kerl kennengelernt, der in dem fast leeren Laden doch auffallend nahe bei uns saß, sodass wir ins Gespräch kommen mussten. Da sich indische Freunde untereinander aus meiner Sicht so verhalten wie deutsche Freundinnen, saß er dann auch fast auf Juliens Schoß, einen Arm um ihn gelegt ;-) Seine Fragen nach unserem Familienstand und unserer Religiosität haben ihn dann aber doch sehr verwirrt, sodass wir letztendlich behauptet haben, zumindest an Weihnachten in die Kirche zu gehen, um sein Weltbild wieder einigermaßen herzustellen. Nach einem ausführlichen Fotoshooting und dem Austausch von Emailadressen haben sich unsere Wege wieder getrennt. Allerdings möchte er die Bilder in Originalgröße geschickt haben... ich habe so meine Befürchtungen als Poster zu enden...
Montag Morgen war der Plan ganz easy mit einem der x Busse, die täglich zwischen Pondicherry und Chennai pendeln, nach Mamallapuram zu fahren. (Im Reiseführer standen allerdings keinerlei Tips dazu, wie man überhaupt erst mal in einen solchen Bus rein kommt!) An der Busstation fahren im 10 Minuten Takt Busse ein, die mit dem Schriftzug Chennai ECR gekennzeichnet sind, alles Busse mit denen wir laut Informationsschalter fahren können. Wir haben dann jmd. gefragt, wie wir in einen solchen Bus kommen und die Antwort war: "You have to run, to get a seat." Tatsächlich sieht es wie folgt aus: Sobald die Busse in Sichtweite sind stürzen Leute noch während der Anfahrt darauf zu und springen in die offenen Türen oder werfen ihre Taschen und Handys durch die Fenster um sich Plätze zu reservieren. Man kann sich also vorstellen, dass Julien und ich das Schauspiel einige Male mit offenem Mund verfolgt haben, bis wir Teil davon wurden. Mittlerweile sind wir recht gut darin, da wir mehrmals den Bus wechseln mussten, bis wir einen Busfahrer fanden der uns mitnahm. Denn der Busfahrer ist allmächtig und wenn er nun mal keine Lust hat in jedem Kaff zu halten, nimmt er die Leute die dorthin möchten einfach nicht mit. Erfahrung: Einsteigen, losfahren lassen, dann erst sagen an welchem Zwischenstop man aussteigen möchte. :-)
Ansonsten ist das Busfahren aufgrund fehlender Türen und offener Fenster in Indien richtig angenehm und interessant, da man viel vom Land sieht.
Nun noch das Special für Ralf zum Thema tägliche Probleme des Alltags:
Jaja Ralf, ich ahne Du möchtest hier spannende Geschichten über verzweifelte Toilettensuchen lesen, aber leider gibt es die nicht :-) Das Schlimmste sind die Zugtoiletten, aber auch die sind ertragbar. Toilettenartikel kann man in jedem der zahlreichen Tante Emma Läden kaufen und jedes Hostel bietet einen Laundry Service für die Wäsche an (manchmal mit der Kunst weitere Flecken auf die Shirts zu zaubern, aber zumindest riecht alles sauber). Das Zugfahren hier ist jedes mal eine Herausforderung, da es keine Durchsagen in den Nachtzügen gibt und wir immer abschätzen müssen wann der Zug im Zielort sein müsste um dann bei jedem Bahnhof raus zu springen und die Leute zu fragen, wo wir gerade sind. Ein weiteres Alltagsproblem ist das Wechselgeld: Die größten Scheine hier sind 1000er, also umgerechnet ca. 15 Euro, wobei man damit außer in einem Hostel nicht bezahlen kann. Oftmals haben die Läden schon Probleme auf einen 100er (1,50) rauszugeben, auch wenn gerade 5 Leute vor einem bezahlt haben ist kein Wechselgeld da. Rikschfahrer wollen grundsätzlich nicht rausgeben können um das Wechselgeld notfalls behalten zu können, also checken wir immer vor dem Rikschafahren, ob wir Kleingeld haben. In vielen Regionen Indiens gibt es mehrmals täglich Stromausfälle, doch auch damit lernt man zu leben. Doof nur, wenn Morgens von 7:00 - 9:00 der absolut notwendige Ventilator nicht geht.

2 Kommentare:

  1. Na Gott sei Dank, euch gibt's noch ;-) Während ihr in Bussen durch - das sicher immer noch heiße - Indien fahrt, sitzen wir (also ich im Speziellen) hier auf glühenden Kohlen und überlegen uns, wo ihr euch grade rumtreibt. Also schön von euch zu hören!

    Kathi, auch wenn dir nichts vom Döner verloren geht, meine ich mich zu erinnern, dass du auch so bei den Hunden da sehr beliebt warst :-)

    Wann geht's jetzt bei euch weiter nach Thailand?

    Liebe Grüße
    Simone

    P.S.: seht zu, dass ihr öfter WLan habt, ich guck bestimmt 2 Mal am Tag hier rein und dann kommt einmal die Woche oder so ein Post ;-) Wobei ich ja auch weiß, dass es nicht immer so einfach ist...

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  2. Vielleicht habt ihr ja gerade die Schulferien oder sowas erwischt und deswegen wollen alle zum Ballermann :-)

    @Poster: Vielleicht soll ja auch der Julien als Poster enden ...

    Gruß
    Ralf

    PS: Vielen Dank für die Widmung :-)

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